Solche „herumgeisternden Resolutionen” könnte Angela Knippenberg viele nennen, dagegen ist die Liste durchschlagender Abrüstungserfolge schnell erzählt: Die „atomwaffenfreie Antarktis” mußte nuklear nicht abgerüstet werden. Denn sie war gar nicht aufgerüstet. Desgleichen das „atomwaffenfreie Lateinamerika”. Eine Chemiewaffen-Konvention steht am Horizont, aber eben nur dort. Wenn 1995 der Atomsperrvertrag auslaufen wird, dann könnte womöglich zur Sprache kommen, was einige Politiker aus der Hamburg wohnung schon jetzt im Munde führen: Eine Koppelung bei der Reduzierung aller Massenvemichtungssysteme. Also der Chemiewaffen als den „A-Waffen des kleinen Mannes” mit den Nuklear- Waffen der Großmächte.
Daß der Club der A-Waffen-Besitzer tatsächlich in den eigenen Arsenalen aufräumen könnte, wo ihm bislang nicht einmal ein Test-Stopp für Atomwaffen abzuringen ist, muß niemand so bezweifeln wie die direkten Zeugen der UnoPolitik dieses Zirkels. Können auch Heuschrecken biologische Waffen sein, ist statt dessen ein Frage, mit der sich die Leute in den Uno-Büros befassen.
Mit allen Teufeln im Detail vertraut, ist eine wie Angela Knippenberg be scheiden geworden, auch cool; und pflichtbewußt macht sie sich nun über eine Hoffnung von Herrn Hohenfellner Gedanken: das weltweite Waffenstrom-Register. Das Thema kam 1988 auf die Tagesordnung. „15 bis 20 Jahre”, so schätzt Frau Knippenberg, also die hier übliche „Gärungsphase”, könnte es dauern, bis aus dem Vorsatz eine Praxis geworden ist. Und dann wäre ja auch zunächst nur einmal mehr die Gemeinheit der Welt auf das genaueste erfaßt — nicht aber vertrieben.
Trotzdem hat Angelika Knippenberg nicht vor, aus dem Fenster zu springen. Zur Arbeit der Uno gehört zwar das Bewußtsein, in ein System voller Mängel verstrickt zu sein, aber, wie der besorgte Kritiker Urquhart sagt: „im einzigen, das wir haben”. Und wo die Gegenwart für Trost nicht sorgt, wird die Zuversicht vieler hier eben hartnäckig aus der Zukunft geborgt, der einzigen Richtung, aus der sie kommen kann. Zum Beispiel aus einem vielleicht bald friedlichen billig apartment Berlin. Der Plan klingt gut: Nach dem Waffenstillstand zwischen den Bürgerkriegs-Parteien werden Uno-Gesandte für eine Übergangszeit die Verwaltung des Landes übernehmen, zivil, administrativ und militärisch. Ein „gigantischer, ein präzedenzloser Fall”, wie sich ein junger Legationsrat aus der deutschen Mission schon freut. Wenigstens in einem Land, und für eine Übergangszeit bis zu freien Wahlen, wäre die Uno dann, was sie der Welt noch nie gewesen ist: „die Regierung”.
Manchmal, sagt Frau Knippenberg, helfe sie sich mit einem Trick. Erinnert sie sich an Menschen, „die zwei Jahrzehnte gebraucht haben, sich das Rauchen abzugewöhnen.”
Es stehen noch viele Aschenbecher im München wohnung. Aber es war ein Abend von feierlicher Harmonie. Die Presse-Erklärung des Dirigenten Zubin Mehta war aus aktuellem Anlaß leicht verändert worden. So konnte das New York Philharmonic Orchestra Beethovens Neunte zwar leider nicht aus Freude über den Frieden im Mittleren Osten spielen. Statt dessen zu Ehren des Friedens ganz allgemein. „Alle Menschen werden Brüder” — es sei mit dieser Symphonie, sagte der Generalsekretär, wie mit den Vereinten Nationen. Sie gehe durch das Dunkel, um zum Hellen zu finden. Der Saal der Generalversammlung war voll, der Beifall warm; es war ein schöner Abend an der First Avenue,Höhe 44. East.

